Reitkunst für

Islandpferde

Wege zur Reitkunst 2017 - Gedanken zum Jahreswechsel

Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende! Besonders gefreut hat mich, dass ich mit Anja Hass eine hervorragende Trainerin gefunden habe, die nicht nur tolle Kurse gibt, sondern Glæðir und mich auch vor Ort regelmäßig begleitet. Glæðir hat sich prima entwickelt. Die zunehmende Kraft aus der Hinterhand macht sich in allen Gangarten positiv bemerkbar.

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Der Galopp profitiert besonders

Auch Bent Branderup brachte uns auf zwei Kursen neue Impulse. Meine Physio-Trainer-Ausbildung bei Reiten 360° nähert sich dem Ende und durch die Prüfungsvorbereitungen konnte ich mein Wissen über eine ganzheitliche Pferdeausbildung vertiefen. 

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Dehnungshaltung im Trab mit aktiver Hinterhand - Teil meiner Praxisprüfung

Jährlingsstute Ciana wächst und gedeiht auf den schönen Bergweiden in Gutach. Die „Kleine“ hat Glæðir schon eingeholt!

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Ciana mit 16 Monaten

Ich danke allen, die mich begleitet und unterstützt haben und mit denen ich gemeinsam lernen darf. Selbst Unterricht und Kurse geben zu dürfen ist für mich eine große Ehre und Bereicherung. Ich hoffe, dadurch zu einem harmonischen Miteinander zwischen Mensch und Pferd beitragen zu können.

Besonders froh und dankbar bin ich, dass 2017 alle Pferde und Menschen in meinem Umfeld gesund geblieben sind.

(Text: Anja Rut Hebel, Foto 1: Peter Oster, Foto 2: Nico Hebel, Foto 3: Selene)

 

Wege zur Reitkunst 2016 - Gedanken zum Jahreswechsel

2016 stand in der Arbeit mit Glæðir das Thema „Oberlinie formen“ im Mittelpunkt. In der Bodenarbeit waren erste Versammlungsansätze erkennbar. Leider musste Glæðir im Juli zum vierten Mal am Karpalgelenk operiert werden, da seine alte Narbe wieder aufgegangen war :-( Danach hatte er von der Muskulatur her ziemlich abgebaut. Um den Rücken nicht zu verlieren, mussten wir stärker an der getragenen Dehnungshaltung arbeiten. Die Trainingsansätze aus meiner Weiterbildung zum Physio-Reittrainer bei Reiten 360° brachten uns neue Impulse zum Öffnen der Halsbasis. Der scheinbare „Rückschritt“ hat sich gelohnt: Zum ersten Mal konnte ich spüren, was „Anlehnung“ und „Traghaltung“ wirklich bedeuten. Auch im Unterricht mit meinen zwei- und vierbeinigen Schülern versuche ich, diese Erkenntnisse verstärkt einfließen zu lassen.

trainingstag5Stellung und Biegung zur Formung der Oberlinie

Susanne Waltersbacher und ich stellten 2016 unseren Ausbildungsordner von Reitkunst Südwest fertig. Damit haben wir ein wunderbares Hilfsmittel, um unseren Unterricht besser zu strukturieren. Auch bei externen Trainern war die Resonanz überwältigend. Die erste Auflage ist fast verkauft und wir müssen nachdrucken. Im nächsten Jahr wollen wir dieses „Handwerksbuch“ weiter verfeinern. 

Mein Berber-Edelbluthaflinger-Mix-Fohlen Ciana („Die Glückliche“) eröffnete mir ab Juli einen ganz neuen Blick für den Start in ein Pferdeleben. Sich berühren lassen, putzen, Hufe geben und führen am Halfter waren die Dinge, die wir gemeinsam lernen konnten. Eigentlich wollte ich einen reinen Berber und kein Fohlen, aber diese Vorsätze haben schon bei Glæðir nicht geklappt (damals wollte ich kein Jungpferd und keinen Fuchs). Es sind wohl doch die Pferde, die aussuchen :-)

cianaCiana - 4 Wochen alt

Ciana hat sich zu einem selbstbewussten Stütchen entwickelt, die gerne spielt. Die Fuchsfarbe hat sie bis auf rote Strähnchen in der Mähne verloren: Im Moment ist sie schwarzbraun mit weißen Stichelhaaren. Auch vom Wesen her ähnelt sie ihrem Papa Mash'al al Ayur. Begeistert hat mich, dass ich ihre Herde erleben durfte, in der auch Mash'al als Hengst mit dabei sein darf. Ich bin gespannt, wie sich Ciana weiter entwickeln wird.

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Ciana mit ihrem Papa Mash'al al Ayur 

Im November konnte der erste Kurs „Reitkunst und Tölt“ speziell für Gangpferde stattfinden. Das hat mich besonders gefreut, da gerade mehrgängige Pferde besonders von einer biomechanisch korrekten Ausbildung profitieren. Im nächsten Jahr sind weitere Kurse geplant.

Es war ein sehr lehrreiches Jahr für mich und ich danke allen, die mich weiter auf diesem Weg begleitet haben. 

 

Kindheitsträume werden wahr - Gedanken zum Jahreswechsel 2015/2016

2015 war für mich ein besonderes Jahr, denn „Reitlehrerin“ war einer meiner ersten Berufswünsche. Aber mir wurde gesagt, dass das kein richtiger Beruf sei und so studierte ich doch etwas „Gescheites“. Jetzt ist dieser Traum doch wahr geworden. Durch meine zwei- und vierbeinigen Schüler durfte ich die gemeinsame Arbeit mit ganz unterschiedlichen Pferden und Menschen noch mal neu entdecken und dafür bin ich sehr dankbar.

Das Leben mit Pferden hat für mich sehr viel mit der kindlichen Freude  in der Natur und im Umgang mit Tieren zu tun: Beim Reiten habe ich manchmal das Gefühl, mit Pferden sprechen zu können und zu einer Einheit zu werden. Ich konzentriere mich - wie früher beim Spielen - ganz auf den Augenblick. Wenn meine Gedanken abschweifen, erinnert mich mein Pferd daran, dass das jetzt nicht wichtig ist. Bin ich gestresst und ungeduldig, zeigt es mir, dass so keine Harmonie entsteht. Beim Reiten in der Natur fühle ich mich frei, der Blick hebt sich zum Horizont und klebt nicht mehr am Bildschirm. 

Ich weiß, dass mein Pferd dafür seine Freiheit und seine natürlichen Lebensaufgaben verloren hat. Meine Aufgabe als Ausbilder und Gefährte ist es, dem Leben meines Pferdes wieder einen Sinn zu geben, obwohl „Pferdestärken“ in der modernen Welt eigentlich  überflüssig sind.  

Durch die Reitkunst durfte ich einen anderen Sinn in der gemeinsamen Arbeit entdecken: Reitkunst ist eine ganzheitliche Schulung von Körper und Geist - sie macht mich zu einem besseren Menschen.

 

„Die Freude ist mein einziges Ziel.

Deswegen versuche ich von Anfang an, das Pferd für unsere Arbeit zu interessieren,

denn diese wird von jetzt an sein Lebensinhalt sein.

Sie sollten niemals aus den Augen verlieren, ob ihr Pferd Freude an der Arbeit hat.“ 

Bent Branderup

 

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Nachruf zum Tod meines Vaters Hans Herrmann

Am 15. November 2014 ist mein Vater Hans Herrmann im Alter von 78 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Für alle, die ihn kannten, kam das völlig überraschend. Bis kurz vorher war er noch täglich auf seinem Fahrrad unterwegs und ritt regelmäßig. Ob beim Musikreiten, bei den Jagdhornbläsern oder einfach als Helfer im Stall - den Reitverein Biberach kann man sich ohne Hans kaum vorstellen.

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Hans beim Musikreiten im Reitverein Biberach

Erst im März war er als ältester Teilnehmer beim Reitturnier dabei gewesen. Die Schwäbische Zeitung schrieb dazu: "Als erfahrener Geländereiter überzeugte Hans Herrmann mit Schulpferd Largo auch im Parcours und lieferte den Anwesenden den Beweis, dass der Reitsport keine Altersgrenzen kennt."

Am liebsten ritt Hans aber allein im Gelände und bedauerte sehr, dass er das in den letzten Jahren nicht mehr machen konnte. Wenn wir spazieren gingen, zeigte er mir gerne seine früheren Reitstrecken im Wald und erzählte von seinen Ausritten.

Meinem Vater habe ich es auch zu verdanken, dass Pferde schon immer ein Teil meines Lebens waren. Schon als Kindergartenkind wollte ich bei seinen Reitstunden zuschauen und durfte mit etwa 5 Jahren selbst auf einem Ponyhof reiten lernen.

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Bei einer Reitstunde mit meinem Lieblingspony Cayenne (1981)

Trotz intensivem Betteln konnte ich meinen Vater nie überreden, dass wir uns ein eigenes Pferd kaufen. Hans war immer der Ansicht, dass das zu viel Verantwortung bedeuten würde. Er ritt sein ganzes Leben lang Schulpferde und meinte, dass die viel ausgeglichener und gesünder wären, weil sie nicht so viel herumstehen würden. Früher habe ich ihm das sehr übel genommen und hörte zeitweise sogar mit dem Reiten auf, weil mich die normalen Reitstunden in der Halle einfach nicht mehr reizten. Heute kann ich seine Entscheidung verstehen, vor allem, weil eine reine Boxen- oder sogar Ständerhaltung ohne Auslauf damals noch Standard war.

Auch seine Enkelkinder nahm Hans mit zum Reitverein und sie durften nach dem Musikreiten am Sonntag immer noch ein paar Runden aufs Pferd. Meine Tochter Mara wurde dadurch auch dauerhaft vom Reitvirus infiziert und einmal schafften wir es sogar, hier im Schwarzwald einen "Drei-Generationen-Ausritt" zu machen.

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Mara und Hans bei unserem "Drei-Generationen-Ausritt"

Eine weitere Verbindung zwischen uns war, dass wir beide gerne die Pferde versorgen - mit allem, was dazugehört: Ausmisten, Zäune Instand halten, füttern... Ich sehe Hans noch vor mir, wie er mit einer Handsense unsere Weidezäune ausmähte. Ich bot ihm die Motorsense an, aber das war ihm zu unsportlich. Einmal erzählte er mir, dass er in seiner Studentenzeit regelmäßig im Stall geholfen hatte und dafür reiten durfte. Diesen Mix aus geistiger und körperlicher Arbeit fand er optimal und das geht mir genauso. Hans war nie ein Reiter, der sich einfach aufs fertig geputzte Pferd setzte, sondern packte bei allen Arbeiten, die damit verbunden waren, mit an. 

Letztes Jahr hatte ich noch ein paar gemeinsame Erlebnisse mit Hans, die mit der Akademischen Reitkunst zu tun haben: Im Frühjahr besuchte ich einen Kurs von Bent Branderup in Dischingen und da das nicht weit entfernt von Biberach entfernt ist, wollte ich Hans auf dem Rückweg besuchen. Als ich ihn deswegen anrief, sagte er spontan, dass er mitkommen wolle. So fuhren wir gemeinsam hin. Hans war im Vorfeld etwas skeptisch gewesen, was das für ein "Guru" sein sollte. Der Kurs hat ihn aber sehr beeindruckt, auch wenn er meinte, dass dieses "kleinschrittige Reiten" nicht wirklich was für ihn wäre. In der folgenden Zeit las er einige Bücher von mir zu diesem Thema und kaufte sich sogar die "Reitkunst" von Xenophon (365 v. Chr.). Dieses Buch las er mit der für ihn typischen Gründlichkeit und wir führten einige intensive Diskussionen über dieses Ausbildungskonzept.

Das zweite gemeinsame Erlebnis war im Juli: Ich schlug Hans vor, gemeinsam zum 500-jährigen Jubiläum ins Landgestüt Marbach zu fahren. Bei den Marbach Classics nahmen 12 Nationalgestüte teil, unter anderem auch die Spanische Hofreitschule aus Wien. Das „Pferdeballett“ beinhaltete für unseren Geschmack aber zu viel Show und zu wenig Harmonie zwischen Reiter und Pferd. Trotzdem war es ein stimmungsvoller Juliabend und die Basis für viele weitere Gespräche über pferdegerechtes Reiten. Ich bin froh, dass ich Hans damals dazu überredet habe.

Als Hans von seiner Krankheit erfuhr, war sein Wunsch, dass ich bei seiner Trauerfeier etwas über das Reiten und die Bedeutung der Pferde für unser Leben erzähle. Obwohl das emotional sehr schwierig für mich war, habe ich ihm diesen Wunsch erfüllt. Sein zweiter Wunsch steht noch aus: Er wollte, dass ich in seinem Reitverein einen Vortrag über Xenophon und die Reitkunst halte - "für die Jugend" sagte er. Sobald sich meine Trauer und auch die vielen organisatorischen Dinge etwas gelegt haben, werde ich auch das angehen. 

Die Pferde haben in Hans' und in meinem Leben immer dazu beigetragen, dass sie uns in schwierigen Situationen Trost und Entspannung gespendet haben. Gerade in den letzten Jahren, die für uns beide auch durch den Tod meiner Mutter nicht leicht waren, ist uns das besonders deutlich geworden. Wir lieb(t)en es beide, allein mit dem Pferd in der Natur unterwegs zu sein, ganz im "Hier und Jetzt" ohne Gedanken an Vergangenheit oder Zukunft. Dafür sind wir diesen wundervollen Tieren unendlich dankbar.

 

Reiten ist Lebenskunst.

Wenn Sie sich aufmachen, ein Künstler zu werden,

werden Sie entdecken,

dass ein Künstler nicht länger lebt, aber mehr.

(Bent Branderup)  

 

Island - Ein Reisebericht aus der Heimat unserer Pferde

Mitte August bis Anfang September 2014 machte ich mir endlich einen Traum wahr. Drei Wochen war ich mit meiner Familie im Westen von Island unterwegs. Damit wir auch abseits der Ringstraße fahren konnten, mieteten wir uns einen kleinen Geländewagen. Mit dem Gepäck von vier Leuten war das ganz schön eng, aber wir wollten unbedingt ins Hochland und trotzdem kein Vermögen ausgeben. Übernachtet haben wir die ganze Zeit im Zelt, meistens auch "wild" und nicht auf dem Campingplatz. Um Zeit für mehrtägige Wanderungen zu haben, beschränkten wir uns auf den Westen von Island.

Nach der Landung in Keflavík fuhren wir bei traumhaftem Wetter an der Südküste der Halbinsel Reykjanes entlang und machten ein paar kurze Wanderungen zu Leuchttürmen, zur Steilküste und ins Geothermalgebiet Seltún.

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 Leuchtturm an der Westküste der Halbinsel Reykjanes

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Die ersten Islandpferdeherden direkt am Meer 

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Die Steilklippen Krysuvíkurberg - leider brüten die Vögel nicht mehr

Das Wetter blieb weiterhin ganz unsisländisch und so fuhren wir zügig weiter Richtung Hochland. Auf dem Weg zur Kjölur-Hochlandpiste Kjalvegur durften natürlich der Wasserfall Gullfoss und das Geothermalgebiet Geysir nicht fehlen.

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Am Gullfoss - dem "goldenen Wasserfall"

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Der Geysir "Strokkur" entlädt sich zuverlässig alle 10 Minuten

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Auf der Kjölur-Piste hatten wir fantastische Blicke auf die riesigen Gletscher

Der Kjalvegur folgt einem alten Reitweg, der wahrscheinlich schon seit 900 n. Chr. bekannt ist. Er war bis zum Bau der Ringstraße und zur Einführung des Autos eine wichtige Verbindung von Südisland in den Norden. Diesen Weg ritten die damaligen Siedler zum Beispiel um zum Alpingi zu gelangen. Dort versammelten sich seit 930 n. Chr. einmal im Jahr die Oberhäupter der isländischen Regionen (Goden) und gründeten das erste isländische Parlament.

Drei Tage wollten wir im Gebirge Kerlingarfjöll wandern gehen. Die farbenfrohen Rhyolithberge umgeben das zweitgrößte Hochtemperaturgebiet Island.

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Die Rhyolithberge entstanden durch Vulkanausbrüche unter dem Gletschereis - eine der schönsten Landschaften Islands!

Wir nutzen das tolle Wetter, um am ersten Tag den Snaekollur (1477m ü. NN) zu besteigen und genossen eine herrliche Aussicht bis zum Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas an der Ostküste Islands. Anschließend stiegen wir durch die Schutthänge und über die Schneefelder abwärts Richtung Sprengidsandur - das ist die wohl legendärste Hochlandroute Islands. Ihr kennt bestimmt das berühmte isländische Lied "A Sprengisandi", das von einem unheimlichen Ritt durch diese Mondlandschaft handelt. 

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Ausblick vom höchsten Berg im Kerlingarfjöll Richtung Sprengisandur und Vatnajökull

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Der Sprengisandur - eine Mondlandschaft aus Lava

Auf dem Rückweg durchwanderten wir das Hveradalur mit blubbernden Schlammtöpfen, nach Schwefel stinkenden Fumarolen und heißen Quellen. Wanderwege waren meistens nicht erkennbar. Im Hveradalur war die Route auf der Karte im Flussbett eingezeichnet und das entsprach dann auch der Wirklichkeit. Wir mussten uns daher mit Karte und GPS orientieren. Das Wetter blieb die ganze Wanderung über fantastisch. Allerdings waren die Nächte Ende August bereits empfindlich kalt. Wir zogen nachts im Schlafsack alles an, was wir an Kleidung dabei hatten. An einem Morgen hatten wir sogar Eis auf dem Zelt.

Nach so viel Einsamkeit freuten wir uns auf die grüne Nordküste. Die meiste Zeit verbrachten wir am Skagafjördur - dem Fjord der Pferde! Einmal übernachteten wir neben einer Weide mit vier Junghengsten und konnten den ganzen Abend diese wunderschönen Tiere beobachten. Es ging ganz schön ruppig her und die Hengste waren von Narben übersäht. 

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Jungs haben halt nichts als raufen im Sinn :-)

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Danach herrschte wieder Frieden

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Was für ein hübscher Kerl!

Ich hatte eigentlich nicht vorgehabt in Island zu reiten. Die Standard-Touristenritte sind nicht so mein Ding und schließlich habe ich ja zu Hause das tollste Pferd der Welt :-) Aber die Mädels wollten unbedingt und so machten wir einen Ausritt. Erwartungsgemäß waren die Pferde nicht so der Hit (Schweinepass lässt grüßen), aber ich würde als Hofbesitzer auch nicht meine besten Isländer an Fremde verleihen. Landschaftlich wars trotzdem ein schönes Erlebnis. 

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Unser Ausritt

Während des Ritts unterhielten wir uns mit der deutschen Praktikantin. Sie erzählte uns einiges über die Pferdehaltung in Island. Die Reitwege sind steil und steinig und auf den Hochlandtouren wird den Tieren schon einiges abverlangt, auch wenn die Pferde immer wieder gewechselt werden. Gymnastizierung ist kaum vorhanden. Die Jungpferde laufen erst in der Herde und als Handpferd mit und irgendwann setzt man sich halt drauf. Im Winter stehen die meisten Pferde auf den Hausweiden. Einen Stall gibt es nur für die besten Tiere. Mir wurde bewusst, dass die Pferde in Island wirklich noch Gebrauchspferde sind. Das hat einerseits schon Nachteile, z. B. sind die Hufe oft in katastrophalem Zustand (Hufeisen kann man im Supermarkt kaufen!). Andererseits hat diese Art zu reiten auch den einmaligen Charakter der Isländer geprägt - sie sind genügsam, ausdauernd, trittsicher, mutig und stecken Strapazen ziemlich gut weg.

In Hólar waren wir natürlich auch im Islandpferde-Museum, wo man alles Wissenswerte über die wunderbare Pferderasse erfährt.

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Das "Achtung Tölt"-Schild hatte es uns natürlich angetan :-)

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Und es war manchmal auch nötig.

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Manchmal braucht man zum Entziffern dann etwas länger ;-)

Das Wetter wurde nun ziemlich "isländisch" und änderte sich ständig. Wirklichen Dauerregen hatten wir aber nur an drei Tagen und das ist für drei Wochen Island echt gigantisch. Dafür zerbrach ein Sturm das Gestänge eines unserer Zelte und zerriss das Außenzelt. Zum Glück fanden wir eine nette Isländerin mit Nähstube, die es wieder flickte und mit einer Aluhülse konnten wir auch das Gestänge reparieren. Nach ein bisschen Kultur (Torfgehöft Glaumbaer, Heringsmuseum in Siglufjördur, Akureyri) hatten wir aber trotzdem wieder Lust auf Natur und Einsamkeit.

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In solchen Torfgehöften lebten die Menschen früher - die letzten wurden erst in den 1980er Jahren aufgegeben.

Unsere zweite längere Wandertour unternahmen wir in den Westfjorden. Eigentlich hatten wir vorgehabt, mit einer Fähre ins Naturschutzgebiet Hornstrandir im äußersten Nordwesten zu fahren. Dort muss es absolut wild und einsam sein und durch den Schutz haben die Tiere (Polarfüchse!) kaum Scheu vor den Menschen. Aber die Schiffe fahren nur bis Mitte August und so fuhren wir eine Stichstraße an der Nordseite des Isafjardardjup entlang, bis es nicht mehr weiterging. Von dort aus wanderten wir über die Halbinsel an den Fjord Jökulfirdir. 

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Blick von unserem ersten Übernachtungsplatz auf den Jökulfirdir.

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Dieses giftgrüne Moos wächst überall an Bachläufen im Hochland.

Ein Stück wollten wir ins Hornstrandir reinlaufen und anschließend die Halbinsel umrunden. Der Weg in den Hrafnfjördur erwies sich aber als ziemlich heftig. Zuerst ging es am Ablauf der Gletscherbäche des Drangajökull entlang, aber dann mussten wir den ca. 2km breiten Schwemmfächer mit unzähligen Bachläufen durchqueren. 

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Am Fuß des Gletschers Drangajökull

Furtschuhe hatten wir dabei, aber das Wasser war eiskalt und nach den fünften Bach wurde es wirklich unangenehm, nach dem zehnten spürten wir dann unsere Füße nicht mehr. Brrr! Da kann man mal nachvollziehen, wie es den Pferden geht, mit denen man in Island natürlich durch die Flüsse reitet. Brücken gibt es nur an den häufiger befahrenen Straßen. Auch auf Nebenstrecken muss man mit dem Auto häufig Furten durchqueren.

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Fertig zum Furten - noch lacht Mara (aber auch nachher war sie echt tapfer)!

Vorbei an verlassenen Torfgehöften ging es weiter. Ein bisschen düster ist die Stimmung schon - man kann sich vorstellen, wie schwer es den Menschen gefallen sein muss, ihre Höfe aufzugeben. Das Leben hier muss wirklich hart und sehr einsam gewesen sein.

Doch ein Vorteil ist, dass die Natur sich das Land wieder zurück holt. Die Vegetation ist dicht, weil keine Schafe und Pferde für Überweidung und Erosion sorgen. So viele Beeren wie hier haben wir sonst nirgendwo gefunden - lecker! Bemerkenswert fand ich auch, dass mir viele Pflanzen sehr bekannt vorkamen. Der Feldberg hat ein ganz ähnliches Klima wie die isländischen Küstengebiete. Deswegen fühlen sich die Islandpferde im Schwarzwald auch fast wie zu Hause :-)

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Wollgras in sumpfigen Gebieten

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Auch die Tierwelt in den Westfjorden ist echt beeindruckend - Robben!

Der Weg in den Hrafnfjördur war offenbar ein Reitweg und wir entdeckten Hufspuren. Nur kann man eigentlich nicht von Weg sprechen - mal ging es über Blockgeröll am Strand, dann wieder einen Steilhang hoch, über Felsen und durch steinige Bachläufe. Schon als Wanderer kamen wir nur langsam voran und diese Wege werden geritten! Ich beschwere mich nie wieder über die harten Schotterwege im Schwarzwald - sie sind Luxus dagegen!

Da wir sehr lange bis zum Fjordende gebraucht hatten und die Essensvorräte knapp wurden, beschlossen wir, nach unserem Rückweg (wieder mit Furt-Marathon) nicht mehr die Halbinsel zu umrunden, sondern übers Hochland direkt zurück zu laufen.

Anschließend fuhren wir wieder Richtung Süden - über den Kaldidalur (auch ein früherer Reitweg durchs Hochland) nach Thingvellir. Dabei genossen wir ausgiebig die Schwimmbäder mit Hotpots. Jedes noch so kleine Dorf hat eins, denn Baden ist neben Reiten isländischer National"sport". Besonders toll waren aber die natürlichen heißen Quellen.

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Baden in einem heißen Fluss im Hengill-Geothermalgebiet

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Hier war es aber doch zu heiß zum Baden.

Zum Abschluss waren wir natürlich noch in Reykjavik und die letzte Nacht verbrachten wir wieder am äußersten Ende der Halbinsel Reykjanes bei den Leuchttürmen zwischen unzähligen Eiderenten, Möwen, Basstölpeln und natürlich Pferden und Schafen.

Auf dem Rückflug klebte ich als absoluter Vulkan-Fan förmich an der Scheibe, um vielleicht einen Blick auf die Spalteneruptionen am Vulkan Bárdarbunga zu werfen. Tatsächlich! Das letzte, was wir von dieser außergewöhnlichen Insel sahen, waren die glühenden Lavafontänen im Holuhraun.

Mein Fazit: Island ist sicher kein erholsamer Sommerurlaub und vor allem mit dem Zelt manchmal echt ungemütlich. Aber die grandiosen Landschaften, das Baden in den heißen Quellen, die freundlichen Menschen, Skyr und Lakritz mit Schokolade und natürlich die besten Pferde der Welt sind auf jeden Fall eine Reise wert!

IS stute

 

Islandpferde

Einem jeden, der sie reitet,

naht sein Glücksstern sich im Raum.

Leid verweht, das Leben gleitet

leicht dahin - ein schöner Traum.

(Páll Ólafsson)

 

(Text: Anja, Fotos: Anja, Mara)